
Forsttechnik
MM Forsttechnik GmbH (Österreich)
Ausgangslage
MM Forsttechnik GmbH ist ein österreichisches Unternehmen, das Seilkrananlagen für den Forstbetrieb herstellt. Seilkrananlagen werden in steilem Gelände eingesetzt, um Holz aus schwer zugänglichen Bereichen zu bergen — das Seil läuft unter Last, das System arbeitet im Dauerbetrieb.
Die Elektrifizierung der Anlage sollte einen Lithium-Akku als Energiespeicher integrieren. Dabei war von Beginn an klar, dass die Betriebsbedingungen im Forst besondere Anforderungen an Mechanik, Elektronik und Energiemanagement stellen würden.
Das Problem
Drei Faktoren machten einen Standardakku für diese Anwendung ungeeignet: Erstens die mechanische Belastung — permanente Seilbewegungen erzeugen Dauerschwingungen, und das An- und Abschlagen von Holzstämmen führt zu harten Erschütterungen. Kunststoffgehäuse und ungedämpfte Zellverbinder halten dieser Dauerbelastung auf Dauer nicht stand.
Zweitens die Rekuperation: Beim Absenken von Lasten und beim Rückholen des leeren Seils entstehen Rückladeströme, die weit über dem normalen Ladevorgang liegen. Ein Standard-BMS, das auf diese Stromspitzen nicht ausgelegt ist, schaltet entweder zu früh ab oder beschädigt die Zellen. Drittens die Steuerungsintegration: Die Maschinensteuerung der Seilkrananlage läuft auf einer SPS — der Akku musste kompatibel kommunizieren können.
Anforderungen
- ✓Stahlgehäuse: mechanischer Schutz gegen Schläge und Stöße im Forstbetrieb
- ✓Gedämpfte Lagerung: Schwingungsisolation gegen Dauervibration durch laufendes Seil
- ✓Rekuperations-BMS: sicheres Verarbeiten hoher Rückladeströme ohne Abschaltung
- ✓SPS-kompatible Schnittstelle: Kommunikation mit der Maschinensteuerung der Seilkrananlage
- ✓Dauerbetriebstauglichkeit: Zuverlässigkeit unter extremen Umgebungsbedingungen
Lösungsweg
Das Gehäuse wurde aus Stahl gefertigt — es schützt Zellen und Elektronik vor den mechanischen Belastungen des Forstbetriebs und ist robust genug, um harten Stößen standzuhalten. Innerhalb des Gehäuses ist der Akkupack gedämpft gelagert: Schwingungsisolatoren entkoppeln die Zellen von den Dauerschwingungen des laufenden Seils.
Das BMS wurde auf die hohen Rekuperationsströme abgestimmt. Es erkennt Rückladeimpulse, verarbeitet sie sicher und schützt die Zellen vor Überladung auch bei unerwarteten Lastspitzen. Gleichzeitig stellt das BMS eine SPS-kompatible Kommunikationsschnittstelle bereit, über die die Maschinensteuerung der Seilkrananlage Ladezustand, Betriebsstatus und Fehlermeldungen des Akkus abfragt.
Das Gesamtsystem wurde als Prototyp aufgebaut und direkt in der Seilkrananlage in Betrieb genommen.
Ergebnis
Der Prototyp wurde im harten Forsteinsatz erprobt und hat sich in den realen Betriebsbedingungen bewährt. Dauerschwingungen, Erschütterungen und Rekuperationsströme haben den Akkupack nicht beeinträchtigt. Die Erfahrungen aus dem Prototypeneinsatz bilden die Grundlage für die Weiterentwicklung der Seilkrananlage.
Technischer Hintergrund
→ Akkus für Forsttechnik
Lösungsüberblick für Forstmaschinen und Sondertechnik
→ Rekuperation an Seilkrananlagen
Wie Rückladeströme entstehen und wie das BMS sie verarbeitet
→ Was ein BMS wirklich tut
Spannungsfenster, Balancing, SoC/SoH, CAN-Bus-Anbindung
→ LiFePO4 vs. Li-NMC
Welche Zellchemie für welche Anwendung
