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Lithium bei −30 °C und in der Sommerhitze: was die Temperatur wirklich kostet

Ein Akku, der im Sommer im Werk anstandslos lädt, verweigert im Kühlhaus bei −30 °C plötzlich die Ladung — oder nimmt sie an und ist nach wenigen Wochen kapazitätslos. Beides ist kein Defekt, sondern Physik. Der Unterschied ist entscheidend: Kälte kostet vorübergehend Leistung, Hitze kostet dauerhaft Substanz.

Kälte: der Innenwiderstand steigt

Bei niedriger Temperatur werden Elektrolyt und Elektrodenkinetik träge. Die Lithium-Ionen bewegen sich langsamer, der Innenwiderstand steigt. Konkret sinkt die entnehmbare Kapazität bei rund −20 °C je nach Zelle auf etwa 60 bis 80 % des Nennwerts, und unter Last bricht die Spannung stärker ein. Dieser Effekt ist reversibel: Sobald die Zelle wieder warm ist, kehrt die Kapazität zurück. Sie haben im Kalten weniger Reichweite, aber keinen bleibenden Schaden — solange Sie nur entladen.

Laden unter 0 °C: der eine unverzeihliche Fehler

Beim Laden ist Kälte kein reversibler Effekt mehr. Ist die Zelle zu kalt, können die Lithium-Ionen nicht schnell genug in das Graphitgitter der Anode einlagern. Statt eingelagert zu werden, scheidet sich metallisches Lithium an der Anodenoberfläche ab — Lithium-Plating. Das ist dauerhafter Kapazitätsverlust, und die entstehenden Dendriten können langfristig den Separator durchstoßen und einen internen Kurzschluss auslösen. Deshalb die eiserne Regel: kein Laden unter 0 °C ohne Zellheizung. Das BMS muss den Ladestrom in diesem Bereich sperren oder auf einen unkritischen Bruchteil drosseln.

Hitze: die kalendarische Alterung läuft davon

Wärme beschleunigt die Nebenreaktionen in der Zelle, vor allem das Wachstum der SEI-Schicht auf der Anode, die dabei aktives Lithium verbraucht. Als Faustregel gilt die Arrhenius-Beziehung: pro etwa 10 °C mehr verdoppelt sich die kalendarische Alterungsrate. Eine Zelle, die dauerhaft bei 40 °C statt bei 25 °C lagert, verliert also rund doppelt so schnell Kapazität — und das unabhängig davon, ob sie benutzt wird. Am schädlichsten ist die Kombination aus hoher Temperatur und hohem Ladezustand. Anders als bei der Kälte kommt diese Kapazität nie zurück.

Der optimale Bereich, in dem beide Effekte klein bleiben, liegt bei rund 15 bis 25 °C. Je weiter der reale Einsatz davon abweicht, desto mehr entscheidet das thermische Konzept über die Lebensdauer — nicht die Zelle allein.

Regel für die Auslegung

  • Betriebsfenster und Ladefenster getrennt spezifizieren — sie sind nicht identisch. Entladen geht weit tiefer als Laden.
  • Unter 0 °C nie ungeheizt laden. BMS-Ladesperre plus Heizfolie/Selbstheizung sind Pflicht, nicht Option.
  • Kälte reversibel, Hitze irreversibel — bei Kälte Reservekapazität einplanen, bei Hitze aktiv gegen Wärmestau und hohen Dauer-Ladezustand vorgehen.
  • Reales Temperaturprofil vor der Zellwahl klären. Für weite Spannen und hohe Umgebungstemperatur ist LiFePO4 wegen der stabileren Chemie meist die robustere Basis.
  • Lagerung bei hoher Temperatur vermeiden — 40 °C bei hohem SoC ist der teuerste Zustand für einen Akku, auch im Stillstand.

Der häufigste Fehler ist, ein einziges Temperaturfenster für Laden und Entladen anzunehmen. Wenn Sie Ihr reales Einsatzprofil — tiefste Ladetemperatur, höchste Dauertemperatur, geforderte Laufzeit — auf den Tisch legen, lässt sich das Thermomanagement passgenau auslegen.

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