Wann ein Standardakku genügt
Ein Standardakku ist die richtige Wahl, wenn keiner der fünf Gründe zur Sonderfertigung greift. Das ist der Fall, wenn alle vier Punkte gleichzeitig zutreffen: Bauraum unkritisch — der Akku muss nicht in eine vorgegebene Geometrie passen. Gewicht irrelevant für die Anwendung. Lastprofil moderat — keine hohen Dauerströme, keine 1C–2C-Schnellladung, keine extremen Zyklenzahlen. Keine tiefe Kommunikation mit einer Maschinensteuerung nötig — ein einfaches SoC-Signal reicht.
Trifft das zu, sparen Sie mit einem Standardpack Entwicklungsaufwand — alles andere wäre überdimensioniert.
Fünf Gründe, die zur Sonderfertigung zwingen
Sobald einer dieser Punkte greift, endet der Standard, und der Grund ist jeweils physikalisch, nicht kosmetisch.
Bauraum-Restriktion: Der Schacht im Chassis hat eine feste Geometrie. Ein Standardquader nutzt ihn oft nur zu 60–70 %; ein auf den Bauraum konstruierter Pack erreicht 90–95 %. Diese Differenz ist direkt nutzbare Kapazität und damit Reichweite pro Ladung.
Lastprofil und Zyklen: Mehrschichtbetrieb mit hohem täglichen Ladungsdurchsatz über 8–10 Jahre verlangt eine auf dieses Profil selektierte Zelle und eine BMS-Parametrierung, die Laderate, DoD und Balancing darauf abstimmt. Eine Standardparametrierung altert unter diesem Profil vorzeitig.
Temperaturextreme: Tiefkühllogistik bei −30 °C oder Outdoor-Einsatz verlangen kältetaugliche Zellen und aktives Vorheizen, weil Laden unter etwa 10–15 °C bei hoher Rate die Zelle durch Lithium-Plating schädigt. Ein Standardpack ohne Heizkonzept ist hier nicht dauerhaft betreibbar.
Kommunikationsschnittstelle: FTS und AGV kommunizieren über CAN-Bus, CANopen oder proprietäre Protokolle. Das BMS muss auf das Objektverzeichnis und das Fehlerverhalten der Maschinensteuerung abgestimmt sein; ein Standardpack mit fixem Mapping lässt sich nicht anpassen.
Zertifizierung und Produkthaftung: Wer einen Akku in seine Maschine einbaut, trägt die Produkthaftung. Ein maßgefertigter Akku mit eigener technischer Dokumentation und CE-Konformitätserklärung des Akkuherstellers trennt die Haftung sauber und entlastet den OEM.
Aus der Praxis: ROBOT-40
Ein Beispiel, das die Reihenfolge zeigt: Für den ROBOT-40 von GKS/Georg Kramp, ein autonomes Schwerlast-FTS bis 40 t, das seit 2013 weltweit läuft, passt bis heute kein Standardakku ins Fahrzeug. Der Bauraum war vorgegeben, das Lastprofil bei 40 t Nutzlast hart, und die Anlage sollte ohne lange Standzeit am Ladepunkt durchlaufen. Wir haben deshalb zwei maßgefertigte Akkus mit Sondergehäuse und ein Akkuwechselsystem entwickelt, das die Ladezeit von der Fahrzeugverfügbarkeit entkoppelt. Kein Katalogprodukt hätte diese vier Restriktionen gleichzeitig erfüllt. Genau das ist der Normalfall bei Sonderfahrzeugen, nicht die Ausnahme.
Der Weg von der Anforderung zur Serie ab Stück 1
Ein Projekt läuft in vier Phasen: Anforderungsaufnahme (Lastprofil, Bauraum, Schnittstellen, Zertifizierungsziel), Prototyp, Feldtest beim Kunden unter realen Bedingungen und Serienfertigung. Entscheidend für Sonderfahrzeuge und Kleinserien: Die Serie beginnt bei Stück 1. Sie müssen keine Mindestabnahme über Hunderte Einheiten stemmen, um ein passendes Pack zu bekommen; wir fertigen seit 2004 aus Niederösterreich ab dem ersten Stück, in LiFePO4 und Li-NMC.
Die Amortisation rechnet sich über die Lebensdauer, nicht über den Stückpreis
Ein maßgefertigtes Pack kostet in der Entwicklung mehr als ein Katalogteil. Der Vergleich, der zählt, ist aber nicht der Anschaffungspreis, sondern die Kosten über die Lebensdauer. Ein auf das Lastprofil ausgelegtes Pack, das die Zellen im Temperaturfenster hält und sauber balanciert, erreicht seine spezifizierte Zyklenzahl, statt nach 14 Monaten in die Werkstatt zu gehen. Bei einem Fahrzeug, dessen Stillstand pro Stunde Geld kostet, amortisiert sich der Mehraufwand über vermiedene Ausfälle und den späteren Ersatz.
Entscheidungsregel
Bauraum, Gewicht, Lastprofil und Kommunikation unkritisch: Standardakku wählen. Einer der fünf Gründe (Bauraum, Lastprofil, Temperatur, Kommunikation, Zertifizierung) greift: Sonderfertigung. Nicht über den Stückpreis, sondern über die Lebensdauerkosten rechnen. Bei Sonderfahrzeugen und Kleinserien: die Serie beginnt bei Stück 1, keine Mindestmenge nötig.
Wenn Sie unsicher sind, ob Ihr Anwendungsfall über Standard hinausgeht, lässt sich das anhand der fünf Gründe in einem Gespräch klären. Die Auslegung besprechen wir gern.