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Ein Akku, der spricht — und zwar Profinet mit der SPS

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Ein Standardakku liefert Energie und schaltet im besten Fall ab, bevor er sich selbst beschädigt. Mehr nicht — er bleibt stumm. In einer automatisierten Anlage ist genau diese Stummheit das Problem: Die Steuerung, die das Fahrzeug oder die Maschine führt, weiß nicht, ob der Pack bei 80 % oder 8 % steht, ob eine Zelle warmläuft oder wann zuletzt geladen wurde. Sie plant blind. Ein Akku, der Profinet spricht, schließt diese Lücke: Er meldet seinen Zustand in Echtzeit — direkt in die SPS-Welt, ohne Umsetzer dazwischen.

48-V-LiFePO4-Akkupack mit Profinet-Kommunikation – Typenschild zeigt 48V-12Ah-576Wh und Komm.: Profinet
Fertig konfektionierter 48-V-12-Ah-LiFePO4-Akkupack mit Profinet-Schnittstelle. Das Typenschild zeigt Nennspannung, Kapazität und Kommunikationsprotokoll.
LiFePO4-Zellverbund 15S4P – Punktschweißverbindungen und Zellverschienung eines 48-V-Akkupacks
Zellverbund 15S4P: 60 LiFePO4-Zellen, punktgeschweißt — das Herzstück eines kommunizierenden 48-V-Packs.

Technische Daten (Beispielkonfiguration)

Nennspannung48 V
Kapazität12 Ah
Energie576 Wh
Zellkonfiguration15S4P (60 Zellen)
ChemieLiFePO4
Lebenserwartung> 3.000 Zyklen
KommunikationProfinet (RJ45)
SicherheitEN ISO 13849-1, Kat. 2

Warum ein „stummer“ Akku im Automatisierungsumfeld zum Problem wird

Ein Batteriemanagementsystem (BMS), das nur abschaltet, reicht in mobilen Maschinen nicht aus. Ein fahrerloses Transportsystem (AGV/FTS), das im Betrieb ohne Vorwarnung die Batterie trennt, bleibt mit voller Last irgendwo in der Halle stehen — im schlechtesten Fall im Weg, im Engpass oder mitten in einem Prozess. Die Steuerung muss Ladezustand, Temperatur und Strom kennen, bevor eine Grenze erreicht wird, nicht erst über eine Fehlermeldung danach.

Sichtbar wird der Zustand nur, wenn der Akkupack ihn aktiv nach außen meldet. Deshalb gehört zu einem industriellen Akkupack neben dem Batteriemanagementsystem (BMS) eine Kommunikationsschnittstelle, über die die Steuerung die relevanten Werte laufend abfragt. Erst dieser Datenfluss macht aus einer Energiequelle eine planbare Komponente im Gesamtsystem.

Warum Profinet — und nicht (nur) CAN-Bus

In mobilen Maschinen ist der CAN-Bus der klassische Feldbus für die BMS-Anbindung — robust, etabliert, sparsam. Sobald die übergeordnete Anlage aber auf industriellem Ethernet läuft, spricht die Steuerung Profinet. Das ist der Standard in der S7-Welt und in weiten Teilen der Fabrikautomation. Wer eine Batterie an eine Siemens-Steuerung anbinden will, kommt an Profinet als Feldbus kaum vorbei.

Ein Akku, der selbst Profinet spricht, fügt sich direkt in dieses Engineering ein: Über eine Gerätebeschreibung (GSDML) wird der Pack wie jedes andere Feldgerät ins Projekt eingebunden, per RJ45 in das vorhandene Ethernet-Netz gehängt und mit definierten Prozesswerten projektiert. Kein CAN-zu-Profinet-Gateway, kein zusätzlicher Umsetzer, keine Sonderbehandlung — der Akku ist ein Teilnehmer wie Antrieb, Sensor oder Ventilinsel.

Welche Werte der Akku über Profinet meldet

Sinnvoll ist genau das, was die Steuerung für ihre Entscheidungen braucht. In der Praxis sind das: SoC (Ladezustand) — die verbleibende Kapazität, damit die Steuerung den Weg zur Ladestation plant, bevor die Untergrenze in Reichweite kommt. Strom — Lade- und Entladestrom in Echtzeit, als Basis für Lastmanagement und Plausibilitätsprüfung. Spannung — die Packspannung als schneller Betriebsindikator. Temperaturen — getrennt für BMS, Zellen und interne Elektronik, damit eine thermische Auffälligkeit früh erkannt wird.

Meldet eine Zelle eine Temperaturauffälligkeit, drosselt die Steuerung geordnet, statt hart zu trennen. Sinkt der Ladezustand, disponiert sie den Ladevorgang, bevor das Fahrzeug liegen bleibt. Der Akku liefert die Daten — die Betriebsstrategie bleibt in der Steuerung.

Onboard-Logging und Fernwartung

Die Kommunikationselektronik arbeitet unabhängig vom reinen Schutz-BMS. Sie verbraucht nur dann Strom, wenn der Akkupack aktiviert ist — im Lagerbetrieb liegt der Eigenverbrauch praktisch bei null. Aktiviert wird sie über einen potentialfreien Kontakt, sodass der Pack ohne Selbstentladung durch die Elektronik gelagert werden kann.

Zusätzlich protokolliert der Akkupack onboard die jüngsten Betriebsdatensätze und den Zeitpunkt des letzten Ladevorgangs. Sobald die Profinet-Schnittstelle aktiv ist, lässt sich der Pack aus der Ferne auslesen und warten — die Grundlage für zustandsorientierte Wartungsplanung statt starrer Intervalle.

Sicheres Trennen — Safety mit Diagnose über Profinet

Kommunikation ist nicht nur Komfort. Über einen sicherheitsbezogenen Eingang „sicheres Trennen“ — als potentialfreier Kontakt ausgeführt — kann die Anlage das BMS aktivieren und die Hauptleitung gezielt trennen. Die Rückmeldung dieses Zustands läuft über Profinet und ist damit Teil der Diagnose.

Konzeptionell entspricht das einer einkanaligen Architektur mit Diagnose (Kategorie 2 nach EN ISO 13849-1). Welcher Performance Level und welche Reaktionszeit im konkreten Fall erreicht werden, hängt von den Komponentenkennwerten (B10d, MTTF_d) und der Gesamtanlage ab und wird nach dem Designfreeze formal bewertet — gemeinsam mit dem Anlagenbauer, der die Maschine in Verkehr bringt. Die Profinet-Rückmeldung liefert dafür die nötige Diagnoseinformation.

Checkliste für die Profinet-Akku-Anbindung

  • Gerätebeschreibung (GSDML) vorhanden und die Profinet-Zykluszeit auf die Anlage abgestimmt?
  • Prozesswerte definiert: SoC, Strom, Spannung und Temperaturen — inklusive Skalierung und Einheiten im Telegramm?
  • Aktivierung des Kommunikationsmoduls geklärt (potentialfreier Kontakt) und Ruhestrom im Lagerbetrieb akzeptabel?
  • Sicherheitsfunktion „sicheres Trennen“ mit Reaktionszeit-Zielvorgabe und Kategorie/PL nach EN ISO 13849-1 mit der Anlage abgestimmt?
  • Diagnose- und Fehlercodes festgelegt und in der Steuerung tatsächlich ausgewertet?
  • Ladegerät und Ladeprofil (CC/CV) mit dem Akku abgestimmt?
  • Logging-Tiefe und Fernwartungszugang definiert — welche Datensätze, in welchem Intervall, wer greift zu?

Die ersten Punkte entscheiden, ob sich der Akku sauber ins Automatisierungsprojekt einfügt. Die Sicherheits- und Diagnosepunkte entscheiden, ob er im geregelten Betrieb bleibt. Welche Werte über den Bus laufen sollen und wie die Sicherheitsfunktion an Ihre Anlage angebunden wird, klären wir gern anhand Ihres Lastenhefts.

Weiterführende Artikel und Lösungen

Häufige Fragen

Was ist eine GSDML-Datei und wozu brauche ich sie für den Profinet-Akku?
Die GSDML (General Station Description Markup Language) ist die Gerätebeschreibungsdatei, über die ein Profinet-Teilnehmer ins Engineering-Tool (z. B. Siemens TIA Portal) eingebunden wird. Sie enthält Steckplatz-Struktur, Prozessdaten-Mapping und Diagnose-Informationen. Ohne GSDML kann der Akku nicht als Feldgerät projektiert werden — sie ist das erste Dokument, das Hellpower mit dem Akku liefert.
Kann ein Profinet-Akku auch mit einer Nicht-Siemens-Steuerung betrieben werden?
Profinet ist ein offener Standard (IEC 61158); jede Steuerung, die Profinet-IO beherrscht, kann den Akku einbinden. Neben Siemens S7/S5 sind das z. B. Beckhoff TwinCAT, B&R Automation Studio oder Phoenix Contact PLCnext. Die GSDML-Datei funktioniert steuerungsherstellerunabhängig.
Welche Sicherheitskategorie nach EN ISO 13849-1 erreicht die Funktion 'sicheres Trennen'?
Die Ausführung als einkanalige Architektur mit Diagnoserückmeldung über Profinet entspricht konzeptionell Kategorie 2. Welcher Performance Level (PLc/PLd) im Einzelfall erreichbar ist, hängt von den Komponentenkennwerten (B10d, MTTF_d) der verbauten Schaltelemente und der Gesamtanlagen-Risikobeurteilung ab — das wird nach dem Designfreeze formal berechnet.
Wie groß ist der Eigenverbrauch der Profinet-Elektronik im Lagerbetrieb?
Die Kommunikationselektronik wird über einen potentialfreien Kontakt aktiviert. Im nicht aktivierten Lagerzustand liegt der Eigenverbrauch praktisch bei null — der Pack kann ohne messbare Selbstentladung durch die Elektronik gelagert werden. Im aktivierten Betrieb beträgt der Eigenverbrauch der Kommunikationsplatine typisch wenige hundert Milliwatt.
Welche Prozesswerte sendet der Akku zyklisch über Profinet an die SPS?
Im Standardtelegramm übermittelt der Akku SoC (Ladezustand in %), Packspannung, Lade- und Entladestrom, BMS-Temperatur, Zelltemperaturen sowie aktive Fehlercodes und Statusbits (z. B. Lade-/Entladesperre). Welche Werte im konkreten Projekt im Telegramm landen und welche Skalierung gilt, wird in der GSDML und im Projektierungsgespräch festgelegt.

Akku an Ihre Profinet-Steuerung anbinden?

Prozesswerte, sicheres Trennen und Diagnose anhand Ihres Lastenhefts klären.

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